Ob Couchpotatoe oder Sportskanone – Bewegung tut der ganzen Familie gut
Der Alltag mit seinen technischen Errungenschaften hat das Leben der Menschen in vielerlei Hinsicht erleichtert. Wir fahren Auto, Zug und Bus, im Kaufhaus nutzen wir die Rolltreppe und am Flughafen Förderbänder. Im Büro findet ein Großteil der Arbeit sitzend vor dem Bildschirm statt und zuhause lädt der Fernseher zum Entspannen ein. In der Küche erledigen Wasch- und Spülmaschine, Trockner und so manches elektrische Kleingerät Arbeiten, für deren Ausübung vor 100 Jahren noch weitaus mehr aktive Bewegung nötig war. Im Schnitt verbringen Frauen pro Tag etwa 6,7 Stunden und Männer 7,1 Stunden im Sitzen. Regelmäßige Bewegung in Verbindung mit einer ausgewogenen Ernährung ist aber eine Grundvoraussetzung für den Erhalt der Gesundheit.
„Wer sich regelmäßig über den Tag verteilt bewegt, leistet einen wichtigen Beitrag zum Schutz seiner Gesundheit“, weiß Dr. Ohle Wrogemann, Referent für soziale Initiativen und Koordinator des Projektes "Integration durch Sport" bei der Sportjugend des Landessportbundes Rheinland-Pfalz. „Wer seine Gesundheit, Lebensqualität und Leistungsfähigkeit günstig beeinflussen will, sollte sich mindestens 30 Minuten über den Tag verteilt bewegen“, empfiehlt er. Mit Bewegung sind alle Tätigkeiten und Verrichtungen gemeint, bei denen der Körper bei geringer Intensität und mit leicht beschleunigtem Atem belastet wird, beispielsweise Treppensteigen oder Spazieren gehen.
Zahlreiche Studien bestätigen immer wieder den positiven Zusammenhang zwischen Bewegung und Gesundheit; die WHO empfiehlt daher „3000 Schritte am Tag“. Wer sich ausreichend bewegt, reduziert so das Risiko für weit verbreitete Krankheiten wie Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes II. Sport wirkt außerdem präventiv bei Knochenschwund (Osteoporose), Rückenschmerzen sowie bei Darm- und Brustkrebs. Zudem wirken Bewegung und frische Luft deutlich stimmungsaufhellend und stärken die mentale Balance. Grund genug, sich so früh wie möglich von den Vorzügen ausreichender Bewegung begeistern zu lassen und sich gemeinsam mit der Familie etwas Gutes zu tun.
Dabei gelten für die unterschiedlichen Altersstufen auch unterschiedliche Richtwerte dessen, was als gesund gilt. Kinder und Jugendliche etwa sollten jeden Tag mindestens eine Stunde mit zumindest mittlerer Intensität körperlich aktiv sein. Zusätzlich empfehlen sich an drei Tagen in der Woche muskelkräftigende und knochenstärkende Bewegungsformen und Aktivitäten, welche die Koordination verbessern und die Mobilität erhalten. Für Erwachsene werden über die Woche verteilt mindestens 2 ½ Stunden Aktivität mit mittlerer Intensität empfohlen. Wer einen zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen anstrebt, kann auf bis zu 5 Stunden pro Woche Bewegung mit mittlerer oder höherer Intensität erhöhen. Wie bei den Kindern sind auch hier muskelkräftigende Übungen wichtig, die alle großen Muskelgruppen beanspruchen.
Diese Empfehlungen gelten in gleichem Maße für Seniorinnen und Senioren, wobei hier jeweils auf den Gesundheitszustand zu achten ist. Bewegt werden sollte sich nur so viel, wie es die Beschwerden zulassen, selbst wenn die Empfehlung von 150 Minuten Bewegung pro Woche mit mittlerer Intensität nicht erreicht wird. Für alle Altersstufen gilt: Wirklich wirksam wird Bewegung erst dann, wenn sie mindestens 10 Minuten am Stück durchgehalten wird.
Dabei bieten sich bereits im Alltag vielzählige Möglichkeiten der Mobilisierung an, die mit ein wenig Aufmerksamkeit schnell erkannt werden. Gut erweitert werden können diese Aktivitäten durch die verschiedenen Sportarten, die in Vereinen angeboten werden. Sport im Verein vermittelt Spaß und Freude und trägt zu einer positiven Einstellung gegenüber Bewegung bei. Gleichzeitig bieten Vereine die Möglichkeit sozial eingebunden zu sein.
Gute Alternativen zum Vereinsleben sind Aktivitäten an der frischen Luft, unter anderem Wandern, Radfahren oder Spaziergänge im Grünen. Wer es sportlicher mag, findet auf einem Mehrgenerationenspielplatz Bewegungsmöglichkeiten für die ganze Familie – von den ganz Kleinen über die Eltern bis hin zu den gesundheitsbewussten Großeltern. Gerade für Familien mit Kindern und Jugendlichen bieten auch die immer zahlreicher werdenden Kletterwälder oder -Parcours ein abwechslungsreiches Abenteuer. Insgesamt zählt: Was Eltern ihren Kindern vorleben und positiv vermitteln, hat die besten Chancen, von diesen übernommen zu werden.
Literatur-Tipps.
Zimmer, Renate. "Schafft die Stühle ab!: Was Kinder durch Bewegung lernen". Verlag HERDER spektrum, 2008.
Blythe, Sally Goddard und Hansen-Lauff, Thake. „Warum Ihr Kind Bewegung braucht: Optimale Entwicklung fördern - von Anfang an.“ Vak-Verlag, 2005.
Bläsius, Jutta“ 3 Minuten Bewegung: Spiele für zwischendurch in Kita und Schule“. Don Bosco Verlag, 2008.
Ratey, John; Hagermann, Eric und Pott, Anni. „Superfaktor Bewegung“. Vak-Verlag, 2009.
Tilscher, Hans und Eckardt, Elena. „Richtig bewegen im Alter: Ein orthopädischer Ratgeber für Senioren“ Verlag Maudrich, September 2010.